Die Steiermark ist nicht nur für ihre malerischen Landschaften und den UNESCO-Welterbecharakter bekannt, sondern auch als Hochburg für hochwertige Weinbaukultur. Besonders im Bereich der ökologischen Winzerbetriebe zeigt sich hier eine innovative Kombination aus jahrhundertealter Tradition und modernem Ökologisches Bewusstsein. Während der konventionelle Weinbau oft als industrieller Prozess wahrgenommen wird, setzen Winzer:innen in der Steiermark zunehmend auf nachhaltige Praktiken, die nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch die Qualität und Authentizität ihrer Weine sichern. Dieser Artikel beleuchtet, wie diese Betriebe mit biologischer Landwirtschaft, Klimaschutzmaßnahmen und regionaler Wertschöpfung nicht nur die Natur, sondern auch die lokale Wirtschaft stärken – und warum das ein Vorbild für den gesamten Weinbau sein kann.
Die Steiermark ist mit über 1.000 Hektar Rebfläche eine der größten Weinregionen Österreichs und bietet eine enorme Vielfalt an Sorten wie Blaufränkisch, Riesling oder Grüner Veltliner. Doch während viele Betriebe noch auf konventionelle Methoden setzen, haben sich in den letzten Jahren mehrere Winzer:innen zu Vorreiter:innen der ökologischen Winzerwirtschaft entwickelt. Besonders im Burgenland und im Weinviertel, aber auch in der Weststeiermark, gibt es Betriebe, die seit Jahrzehnten nachhaltig arbeiten. Ein zentrales Merkmal ist die Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel, stattdessen setzen sie auf natürliche Alternativen wie Kompostierung, Mulchwirtschaft und biologische Schädlingsbekämpfung. So vermeiden sie nicht nur den Einsatz schädlicher Chemikalien, sondern schaffen auch ein gesünderes Ökosystem für die Böden und die Weinberge.
Ein konkreter Beispiel ist das Weingut Hofgut Schrattenbach in der Weststeiermark, das bereits seit 1995 als biologisch-zertifiziertes Weingut geführt wird. Hier werden die Weine unter strengen ökologischen Kriterien produziert, wobei die Winzer:innen besonders auf die Bodenpflege und die Förderung der Biodiversität achten. Ein besonderes Highlight ist ihr Einsatz für die Förderung von Wildbienen und anderen Bestäubern, die für die Pollenverbreitung in den Weinbergen essenziell sind. Durch diese Maßnahmen konnten sie nicht nur die Erträge stabilisieren, sondern auch die Aromen ihrer Weine deutlich verbessern. Ein weiterer Vorreiter ist das Weingut Wagner in der Steiermark, das seit 2016 nach den Richtlinien der biologischen Landwirtschaft arbeitet. Besonders beeindruckend ist ihr Ansatz, die Weinberge als Teil eines größeren Ökosystems zu sehen – etwa durch die Integration von Obstbäumen und Kräutern, die die Bodenstruktur verbessern und gleichzeitig die Geschmacksprofile der Weine bereichern.
Doch die ökologische Winzerwirtschaft in der Steiermark geht weit über die reine Landwirtschaft hinaus. Viele Betriebe setzen auf erneuerbare Energien, um ihren ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren. So nutzt etwa das Weingut Hofgut Riegersburg in der Südsteiermark Solarenergie für die Bewirtschaftung der Weingüter und setzt auf effiziente Kühlsysteme, um den Energieverbrauch in den Kelleranlagen zu minimieren. Auch die Logistik spielt eine Rolle: Einige Winzer:innen arbeiten mit regionalen Partner:innen zusammen, um Transportwege zu verkürzen und so CO₂-Emissionen zu vermeiden. Dies zeigt, dass nachhaltiges Winzerhandwerk nicht nur auf dem Feld, sondern auch in der gesamten Wertschöpfungskette angewendet wird.
Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell nachweisbar. Studien zeigen, dass Weine aus ökologischen Winzerbetrieben oft höhere Preise erzielen, da sie als besonders hochwertig und authentisch wahrgenommen werden. Gleichzeitig profitieren die lokalen Gemeinden von der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Förderung regionaler Produkte. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Bildung und Sensibilisierung der Verbraucher:innen. Viele Winzer:innen organisieren Workshops und Verkostungen, um über die Vorteile nachhaltiger Weinproduktion zu informieren und den Konsum von Bio-Weinen zu fördern. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten langfristig zu sichern.
Doch wie sieht die Zukunft der ökologischen Winzerwirtschaft in der Steiermark aus? Eine Herausforderung bleibt die Balance zwischen Tradition und Innovation. Während viele Winzer:innen ihre Familienbetriebe seit Generationen führen, müssen sie heute mit neuen Herausforderungen umgehen, wie dem Klimawandel oder den steigenden Erwartungen der Verbraucher:innen. Gleichzeitig bieten sich Chancen durch die wachsende Nachfrage nach Bio-Weinen und die Möglichkeit, sich als Vorreiter in der nachhaltigen Weinwirtschaft zu positionieren. weiterlesen
- Über 30 % der Weinbauflächen in der Steiermark sind bereits biologisch oder biodynamisch zertifiziert (Stand 2023).
- Weine aus ökologischen Winzerbetrieben erzielen im Schnitt 15 % höhere Verkaufspreise als konventionelle Weine.
- Die Steiermark ist führend in Österreich bei der Integration von erneuerbaren Energien in den Weinbau, mit über 50 % Solarstrom-Anteil in einigen Regionen.
- Seit 2018 gibt es in der Steiermark das Programm „Weinbau 2030“, das Winzer:innen bei der Umstellung auf nachhaltige Methoden unterstützt.
- Die Biodiversität in ökologischen Weinbergen ist um bis zu 40 % höher als in konventionellen Weinbergen.




